Wer fliegt und watet am Abend durchs Neeracherried?

In diesem Jahr hatten wir erneut eine abendliche Exkursion durchs Neeracherried ausgeschrieben, was über 20 Teilnehmende erfreute. Bei bester fast noch spätsommerlichen Temperaturen empfingen uns die versierten Mitarbeiter Béla Andraskay und später auch die aktuell noch Stv. Leiterin des BirdLife Naturzentrums Christina Ebneter. Beide Mitarbeiter wussten nicht nur über die eiszeitliche Entstehung des zweitgrössten Flachmoors im Kanton Zürich zu referieren, sondern auch über die grosse Bedeutung für Flora und Fauna, die Unterschutzstellung sowie die aktuellen Projekte bis hin zum aktuellen Stand der Renaturierungsbemühungen. Nach all den vermittelten Fakten wollten wir uns auch selbst ein Bild über dieses schöne erhaltene Stück Natur verschaffen und auch den einen oder anderen Vogel erblicken.

Eine Gruppe nutzte einen kurzen Rundgang am westlichen Rand des Riedes, um sich einen gesamten Überblick über die Flachmoorlandschaft zu verschaffen, sowie erste Beobachtungen von Grau- und Silberreiher und einigen Enten- und Watvögeln zu machen. Von Westen kann man dabei bereits schön die Flachwasserzonen im Anschluss an die Feuchtwiesen einsehen. Dieses Jahr fällt uns sofort ins Auge, wie wenig Wasser die Teiche noch führen und wieviel Schlammflächen dabei sichbar sind. Die Mitarbeiter verraten uns, dass die Flächen – wie jedes Jahr – Ende August künstlich entwässert werden, um gerade die beliebten Schlammflächen zu schaffen. Der ausbleibende Niederschlag hat aber diesmal mehr trockene Bereiche zurückgelassen und kaum noch zusammenhängende Wasserflächen. Wir stellen fest, dass sich im Verhältnis zu anderen Jahren mit höherem Wasserstand nicht mehr schlammliebende Arten auf den Flächen tummeln.

So gesellt sich unsere Gruppe zurück zu den anderen, die bereits in den Hides Einblick auf die Schlammflächen und trockner stehenden Röhrichtzonen genommen haben. Dort bestaunen wir bei tief stehender Sonne neben den vielen Kiebitzen (ca. 40-50 Ind.) auch einige Bruchwasserläufer sowie Bekassinen und einen Grünschenkel bei der Nahrungssuche. Am Schilfrand fallen hier und da Bewegungen auf und wir können die eine oder andere Wasserralle erspähen, welche sich sonst wohl nicht so weit aus dem Schilf auf die Schlickflächen heraustraut.

Überraschung aus dem Schilf

Blaukehlechen vor dem Schilfrand
stark entwässerte Flachwasserzone

Aber nicht nur die an sich schon seltene Wasserralle schaut vorsichtig aus dem Schilf hervor. Wir sind dann doch überrascht, welcher kleine Singvogel da wenige Meter vor dem Hide im Schlamm nach Nahrung sucht: ein Blaukehlchen. Für viele heute ein Highlight, diesen seltenen Gast auf dem Zug hier im Neeracherried rasten zu sehen.

Und wo waren jetzt die Übernachter im Ried? – fragt mich eine Teilnehmerin. Oft suchen gerade schwarmbildende Vögel vor dem Wegzug in den Süden über Nacht Schutz in ausgedehnten Schilfgebieten und fallen dann in der Dämmerung teilweise zu Hunderten dort ein. Typische Übernachter sind Stare, aber auch in kleineren Gruppen Mehl- und Rauchschwalben oder verschiedene Finkenvögel, wie dem Stieglitz.

Als wir uns auf den Rückweg zum Bus machen – und die einen den bereits aufgehenden Vollmond bestaunen, schwärmen dann doch noch ein paar Stare über den abendlichen Himmel des Neeracherrieds. Auch wenn vielleicht nicht ein Übermass an verschiedenen Vögeln zu beobachten war, nimmt jede und jeder sein Highlight mit und erzählt vielleicht noch lange von Blaukehlchen und Co.

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